Gesundheit und Stress

Der Stress hält den Menschen fit und leistungsfähig. Es gibt guten und schlechten Stress. Zu wenig Stress ist genau so schädlich wie zu viel Stress.

Richtig und gesund ist also dasjenige Maß an Stress, das in Einklang mit den persönlichen Leistungspotenzialen steht. Wer im Beruf etwas geschafft hat, ist mit sich selbst zufrieden und motiviert, weitere Ziele zu erreichen. Die innere Spannkraft ist in einem guten und ausgeglichenen Verhältnis zu seinen Ressourcen. Wer eine glückliche Partnerschaft oder Familie und gute Freunde hat steht stabil in seiner Mitte, aus der heraus stets die Kraft und Leistungsfähigkeit für weitere Aktivitäten und Ziele fließt.

Zu wenig Stress bedeutet, dass man keinen Ansporn, keine Lust mehr auf Leistung hat. Aus den Ergebnissen seiner Leistungen kommt aber die Lebensfreude, das Lebensglück. Zu wenig Stress bedeutet also weiter, dass sich Krankheitssymptome festsetzen und eine Negativspirale im Hinblick auf seine Gesundheit in Gang setzen. Man hat auch keinen Ansporn mehr berufliche Leistungen zu erbringen oder sich um Freundschaften und Beziehungen zu kümmern. Man vereinsamt und plötzlich fühlt man sich in der Lebensgemeinschaft verlassen und an den Rand gedrängt. Man weiß nicht warum dies so ist und sucht die Ursachen eher bei den anderen als bei einem selbst. Aus dieser Negativspirale entwickeln sich körperliche Krankheiten, die die Negativspirale nur noch beschleunigen.

Zu viel Stress ist ebenso gefährlich, aber besser und einfacher lösbar als zu wenig Stress. Bei zuviel Stress befinden sich Körper und Seele stets im Stadium der Überforderung. Hält das Übermaß an Stress dauerhaft an, entwickeln sich Krankheiten, die den Stress nur noch erhöhen, weil weitere Aufgaben im Leben dazugekommen sind, die erledigt werden müssen. Nunmehr müssen zusätzlich bei all der Überbelastung noch weitere Aufgaben eingeplant werden, wie z.B. Arzt- und Krankenhausbesuche, die die Lösung der anderen Aufgaben nur noch verzögern. Ferner ist einer reduzierte Leistungsfähigkeit die Folge, so dass die Lösung der zu erledigenden Aufgaben nicht mehr in der bisher gewohnten Zeit erfolgen kann und somit allein dadurch der Stress weitere Nahrung erhält.

Wer es schafft, einen Teil seiner Energie dazu zu verwenden, um Lösungsmöglichkeiten zum Stressabbau zu erkunden und umzusetzen, findet dann schnell den Ausweg aus der Überforderung und findet dadurch wieder sein eigenes Gleichgewicht.

Heute macht vor allem die Angst um den Job krank. Dies wirkt sich ganz besonders im fortgeschrittenen Alter aus, wenn der Arbeitnehmer den Druck verspürt, dass der Arbeitgeber ihn los werden möchte und man dem Rationalisierungsdruck im Unternehmen, mit dem die vorhandene Arbeit mit immer weniger Mitarbeitern gemacht werden soll, nicht mehr gewachsen ist. Ist man selbständig oder als Unternehmer tätig, besteht die Angst vor dem Hintergrund der hohen Insolvenzzahlen vorrangig darin, dass man es vielleicht nicht mehr schaffen wird, die für die Kostendeckung notwendigen Einnahmen zu erzielen.

Diese Angst steigert sich ständig und führt wegen der zunehmenden psychischen Störungen oftmals zur vorzeitigen Arbeitsaufgabe insbesondere zur Frühverrentung. So verursachten im Jahre 2002 seelische Probleme 29,2 % aller Fälle von Erwerbs– und Berufsunfähigkeit (Quelle: map-report bei einer Analyse von Zahlen der gesetzlichen Rentenversicherer). An zweiter Stelle folgen Schwierigkeiten im Skelett und Muskeln, an dritter der Bereich Herz und Kreislauf. Noch vor zwanzig Jahren machten psychische Belastungen nur 10,9 % aus, was eine Steigerung auf das Dreifache bedeutet. Damals waren noch die Schwierigkeiten im Bereich von Herz und Kreislauf führend.

Allerdings sind diese Entwicklungen nicht nur auf die Veränderung in der Arbeitswelt und dem dadurch bedingten negativen Stress zurückzuführen. Auch der Rückgang der sozialen Gesundheit wirkt sich aus, indem die Menschen immer weniger in soziale insbesondere familiäre Netze eingebunden sind.


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Mittwoch, 08.02.2012