Kleiner Goethewanderweg
Text: Daniela Seefelder
Region: Thüringer Wald
Höhenmeter:  
Länge: 4,5 km
Gehzeit:  2 Stunden
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Streckencharakteristik: Waldweg
Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Kickelhahn an der Herzogsröder Wiese
Stationen: Wanderparkplatz Kickelhahn an der Herzogsröder Wiese - Jagdhaus Gabelbach - Kickelhahn - Goethehäuschen - Großer Hermannstein - Jagdhaus Gabelbach - Wanderparkplatz Kickelhahn
Kulturwanderindex: Goethehäuschen/Kickelhahn: Am 06.09.1780 Entstehung des Gedichtes "Wanderers Nachtlied".

Diese Tour führt Sie vorbei am herzogliche Jagdhaus Gabelbach mit einem Goethemuseum, hinauf zum 861 Meter hohen Hausberg der Stadt Ilmenau. Dort befindet sich der 1855 erbaute und 24 Meter hohe Aussichtsturm. Nachdem man die 107 Stufen des Turmes erklommen hat wird man mit einem wunderbaren Ausblick auf den Thüringer Wald, Ilmenau und das Thüringer Vorland belohnt. Bei guter Sicht ist es sogar möglich, den Brocken im Harz sehen. Über die Herkunft des Namens Kickelhahn gibt es einige Theorien. Am wahrscheinlichsten ist, dass der Name durch die zahlreichen Auerwildbestände geprägt wurde und somit bevorzugtes Jagdrevier des "Kickelhahns" (Gockel, Gickel) der Weimarer Hofgesellschaft war. Wenige Minuten vom Aussichtsturm entfernt, welchen es zu Goethes Zeiten noch nicht gab, steht das Goethehäuschen, welches von Herzog Carl August im Sommer 1783 als Jagdunterkunft unterhalb des Gipfels errichtet wurde. Als Goethe nach einer seiner Wanderungen durch die Wälder des Kickelhahns in der kleinen Schutzhütte Rast suchte, berührte ihn der anbrechende Abend so sehr, dass er am 06.09.1780 die mittlerweile berühmten Zeilen mit Bleistift in die Bretter überhalb des Fensters schrieb:

"Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.


Insgesamt 28 Mal verschlug es den Dichter und Naturliebhaber nach Ilmenau, wo er zwischen 1780 und 1831 zu mehreren Besuchen des Gipfels aufbrach, meist unter Begleitung von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar. Am 27. August 1831, 51 Jahre später und am Vorabend zu seinem 82. Geburtstag äußerte Goethe den Herzenswunsch noch einmal auf den Kickelhahn zu fahren. Berginspektor Mahr begleitete den nunmehr greisen Mann und konnte ihn nicht davon abhalten, die steilen Stufen zum Obergeschoss der Schutzhütte zu erklimmen um sein kleines Gedicht von damals zu suchen. 

Christian Mahr schilderte die Szene wie folgt:

"Goethe überlas diese wenigen Verse, und Tränen flossen über seine Wangen. Ganz langsam zog er sein schneeweißes Taschentuch aus seinem dunkelbraunen Tuchrock , trocknete sich die Tränen und sprach in einem sanften, wehmütigen Ton: 'Ja, warte nur, bald ruhest du auch!' , schwieg eine halbe Minute, sah nochmals durch das Fenster in den düstern Fichtenwald und wendete sich darauf zu mir, mit den Worten: Nun wollen wir wieder gehen!".

Im 19. Jahrhundert wurde zum Schutz der Zeilen eigens der Forstaufseher Kilian Merten eingesetzt. Dennoch brannte die Hütte am 12.08.1870 ab. Ein Wanderbursche, der den Brand verursacht haben soll, wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Im Jahre 1874 wurde das "Goethehäuschen" originalgetreu wieder aufgebaut. Heute kann man im Inneren das Gedicht „Wandrers Nachtlied“ in 15 Sprachen lesen.

Zur Stärkung für den Abstieg kann man nun im beliebten Berggasthaus "Kickelhahn" einkehren.

Museum:
Jagdhaus Gabelbach
Museum zu Goethes naturwissenschaftlichen Studien
der Stiftung Weimarer Klassik
Telefon 03677 /20262

Veranstaltungen:
Kickelhahnfest (jährlich Juli/August)
Kickelhahn-Berglauf

Berggasthaus Kickelhahn
Kickelhahn 1
98693 Ilmenau
Telefon: (03677)-202034
Öffnungszeiten: Täglich von 10-18h. Für Gruppen auf Anfrage auch länger.

siehe auch die Beschreibung zum Goethewanderweg
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Dienstag, 07.02.2012